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Permakultur-Blog

Permakultur im Garten und auf dem Balkon

Schwedentraum

Da ich eine innige Beziehung zu Schweden habe, träume ich schon lange auszuwandern. Dort gibt es noch große dünn besiedelte Flächen und viele alte Bauernhöfe mit hektarweise Land günstig zu erwerben. Daher lese ich auch hin und wieder Bücher über das Auswandern nach Schweden und davon möchte ich heute welche vorstellen.

ElchtestElchtest – Ein Jahr in Bullerbü

Dieses Buch ist eine humoreske Erzählung darüber, wie eine junge Familie nach Stockholm zieht. Es ist definitiv kein Sachbuch, sondern eher ein Roman mit wahrem Kern.

Inhalt

Der junge Gunnar wird von der Süddeutschen Zeitung als Auslandskorrespondent nach Stockholm entsandt. Seine Frau und das neugeborene Kind folgen ihm nach. Im ersten Jahr in Schweden müssen sie sich einrichten, eine Wohnung suchen (bzw. kaufen dann gleich ein Haus) und Gunnar muss sich mit den schwedischen Behörden rumschlagen. Viel mehr Inhalt findet sich leider auch schon nicht mehr.

Kritik

Ich habe mich beim Lesen dieses Buches sehr oft fremdgeschämt. Der Autor ist vollkommen Lebensunfähig, dazu aber arrogant und besserwisserisch. Er glänzt durch absolute Ahnungslosigkeit und Inkompetenz, schiebt alle dadurch entstandenen Probleme aber den Schweden in die Schuhe. So handeln 3/4 des Buchs von seinem Versuch die schwedische Staatsbürgerschaft (zurück) zu bekommen. Er hat nämlich eine schwedische Mutter, aber sowohl seinen Pass als auch eine Bestätigung seiner Staatsbürgerschaft verloren (!). Nun hat er auf typisch deutsche Art jede Menge Gelegenheiten sich aufzuregen. Dreißig Minuten Wartezeit in einer Behörde findet er ungeheuerlich (der soll mal in Mannheim zum Einwohnermeldeamt gehen!). Dass er nicht der Mittelpunkt der schwedischen Bürokratie ist und schwedische Sachbearbeiter auch mal Urlaub haben sind für ihn skandalöse Zustände. Das wirkt noch absurder durch die Tatsache, dass er die Staatsbürgerschaft gar nicht benötigt, da die Schweden ein sehr offenes Aufenthaltsrecht haben und man auch schon nach 5 Jahren in Schweden problemlos die Staatsbürgerschaft annehmen kann. Aber das wird im Buch mit keinem Wort erwähnt (und es würde mich nicht wundern, wenn der Autor einfach zu unfähig war sich zu informieren).

Alle sozialen Errungenschaften in Schweden sind schlecht. Die Stockholmer Wohnungsvergabe hindert unseren betuchten Korrespondenten daran, Familien einfach die schicken großen Wohnungen vor der Nase wegzuschnappen, wobei er doch mehr bezahlen könnte. So muss er sich mit einer mickrigen 2 Zimmer-Wohnung zufrieden geben (der Arme). Die Sprachkurse für Ausländer sind ungeheuerlich: Die Steuerzahler müssen jedem Ausländer einen kostenlosen Grundsprachkurz finanzieren! Der reinste Kommunismus! Seine Frau nimmt das natürlich trotzdem gerne in Anspruch. Dass in Deutschland immer über die Ausländer gemeckert wird, die kein Deutsch lernen, ist kein Thema.

So kommen zu der Peinlichkeit durch die Ahnungslosigkeit des Autors und die Zickigkeit seiner Frau nach und nach noch die Peinlichkeit durch flache Clichés. So sind ja alle Schweden verschlossen und schweigsam. Nur zwei Seiten später beschwert er sich: Alle Schweden wollen ständig mit ihm reden. Was denn nun? Auf der schwedischen Holzhausidylle und dem ländlichen Charme reitet er besonders herum, obwohl er in Stockholm davon ja weit entfernt ist. So als würde ein Schwede nach einem Besuch in München von Lederhosen und Bergbauernhöfen schreiben. Diese Clichés haben es dann sogar bis auf das Cover und in den Untertitel geschafft. „Ein Jahr in Bullerbü“ – nichts könnte vom Inhalt des Buches weiter entfernt sein.

Das Buch ist aber wenigstens unterhaltsam und extrem anspruchslos geschrieben. Man kann es innerhalb weniger Tage ohne Anstrengung weglesen. Gelernt hat man danach mehr über die deutsche Mentalität als über die schwedische. Wenn man es, wie ich, für 2€ auf einem Flohmarkt kauft und ein echtes Interesse am Thema hat, muss man sich nur fragen, ob es einem die Zeit wert ist.

SchwedentraumSchwedentraum – Erfahrungsbericht einer Auswanderung

Ein Sachbuch von jemanden, der das alles wirklich schon mal gemacht hat und Informationen zum Thema zusammengetragen und gegliedert hat.

Inhalt

Das Buch begrüßt mich mit einem gut strukturierten Inhaltsverzeichnis. Es gliedert sich in drei große Teile:

  1. der chronologische Schritt für Schritt Führer durch die Auswanderung beginnend schon bei der Vorbereitung in Deutschland
  2. Quellensammlung für die eigenen Recherche
  3. Kurioses über die Schweden mit einer kleinen Landeskunde der Unterschiede zu Deutschland

Da das Buch recht kurz ist, kann es natürlich nicht jedes Detail ausführlich erklären. Mit Hilfe der angegebenen Quellen kann man aber seine persönliche Situation genauer ausleuchten.

Kritik

Locker aber sachlich werden Informationen übermittelt. Alle wichtigen Punkte werden zumindest angerissen. Die Beschreibungen sind nicht kritiklos aber auch nicht überkritisch. Im dritten Teil kommt auch ein ordentlicher Schuss persönlicher Meinung und persönlichen Erlebens dazu. Das schadet aber dem Grundverständnis nicht.

Für Menschen die wirklich mit dem Gedanken an Auswanderung spielen ein guter Einstieg in das Thema

Oh dieses schwedischOh, dieses Schwedisch!

„Eine heitere und unterhaltsame Betrachtung der Sprache unserer Nachbarn“ will dieses Büchlein sein, und genau das ist es auch. Von den Ursprüngen über Eigenarten und false friends wird vieles in kleinen unterhaltsamen Geschichten erklärt. Ein echter Lerneffekt stellt sich dabei nicht ein, aber witzig ist es allemal. Damit ist dieses Buch eine gute Lektüre für die lange Fahrt nach Schweden oder als kleines Geschenk an (angehende) Schwedenfans.

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2 Kommentare

  1. Die Liebe zum Auswandern kenne ich. Wir träumen ja von Kanada – wenn auch nicht in naher Zukunft.
    Schweden wäre auch interessant- zum Thema Selbstversorgung aber: Ist es da klimatisch gesehen warm genug für Anbau? Oder ist es dort viel schwerer? Was denkst Du?
    Naja und weiterhin: Was kostet da Land?
    LG
    Petra

  2. admin:

    Die Kirschen reifen im Sommer selbst 400km nördlich von Stockholm noch. Dort sind die Tage im Sommer ja viel länger, bzw. geht die Sonne teilweise gar nicht mehr unter. Und die Wikinger waren ja schliesslich auch Selbstversorger.
    Da wo ich mich immer rumtreibe (nähe Växjö) ist die Natur im Frühling ca. 2 Wochen später dran als hier.

    Land und vor allem Bauernhöfe sind dort sehr günstig, solange man ausserhalb wohnen will. Vor allem sind die Bauernhöfe noch als Selbstversorgerhöfe geeignet (eigene Brunnen, Holzheizung) und keine Agrabetriebe mit Maschinenhallen und Silos wie hier in Deutschland.
    Im nödlichen Schweden ist die Bevölkerungsdichte teilweise unter 1 Einwohner pro Quadratkilometer. Das sollte für echte Selbstversorger ideal sein.

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