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Permakultur-Blog

Permakultur im Garten und auf dem Balkon

Wildwuchs oder Kahlschlag?

Nachdem wir einen extrem ungepflegten und überwucherten Garten übernommen haben, stehen wir immer wieder vor der Gewissensfrage: Abschneiden oder Wachsen lassen? Eingriff oder Natur?

Ich selbst weigere mich hartnäckig Obstbäume zu beschneiden. Auch wenn alle anderer Meinung sind, möchte ich meine Bäume nicht verstümmeln.

Andererseits wollen wir den Garten ja auch nutzen. Wir wollen Gemüse anbauen, Obst ernten. Und wir wollen unsere Freizeit dort verbringen. Ohne Eingriffe geht all das nicht.

Womit wir beim Dilemma sind: Wo die Grenze ziehen? Welche Eingriffe müssen sein? Wann ist es zu viel. Zerstören wir nicht den Charme des Gartens?

TanneIm Fall der grossen Tanne fiel mir die Entscheidung erstmal leicht. Zum einen gab es die Vorgabe des Gartenvereins: Die muß weg! Zum anderen hasse ich Nadelbäume. In diesem Fall habe ich auch einen haufen gute Gründe dafür. Fast ein drittel des Gartens lag in einem ständigen Schatten. Nichts dort wuchs richtig, die Früchte an den Bäumen wurden nicht reif. Außerdem ist die Schattenecke immer Nass, so dass die Weide schon von innen verfault. Außerdem machen Tannennadeln bekannterweise den Boden kaputt.

Auch wenn Claudia bei den folgenden Bildern vermutlich das Herz bluten wird, schritten wir also forsch zur Tat. Die Arbeit übernahmen zwei Männer, die sich über den Verein angeboten haben, Bäume zu fällen und dafür das Holz als Brennholz bekommen.

Tannez erlegenAls erstes wurde sehr ausführlich die Fallrichtung bedacht: bei einem ca. 17m hohen Baum muss man schon etwas aufpassen *g*. Dann wurden unten Äste ausgesägt, um die Fallrichtung zu unterstützen. Er ist dann perfekt auf die grosse Wiese gefallen (genau da sollen nächstes Jahr die Gemüsebeete entstehen). Die Hauptarbeit war dann das Zerlegen und Abtransportieren.

Weil die netten Männer schon mal da waren, wurden noch die 5 kleineren Nadelbäume hinter dem alten „Kompost“ gefällt. (Das „Kompost“ steht in Anführungszeichen, weil unsere Vorpächter ihn vor allem als Müllabladeplatz verwendet haben. Diese Bäume standen in der oben beschriebenen Schattenecke und waren im unteren Teil auch schon faulig. Bei den Stürmen hier an der Küste nur eine Frage der Zeit, bis die irgendwas unter sich begraben.

Als letztes wurden noch ein paar Koniferen in der Begrenzungshecke entfernt. Die Lücke wird sich extrem schnell wieder durch das andere Gebüsch schliessen, dass wir komplett unbehelligt wachsen lassen. Jetzt haben wir keine Nadelgewächse mehr im Garten! Ihr glaubt nicht, wie sehr mich das freut.

Schlachtfeld im GartenIn der Nachbetrachtung kann einem allerdings doch das Herz in die Hose rutschen. Der Garten sieht aus wie ein Schlachtfeld. Die grosse Tanne war natürlich ein extremer Fixpunkt und Strukturgeber, der nun vollkommen fehlt. Noch dazu ist Herbst und es sieht es alles erbärmlich aus. Jetzt brauchen wir ganz viel vertrauen auf den nächsten Frühling, der alles wieder in wundervolles grün taucht. Einen Großbaum haben wir ja noch mit der schönen alten Kirsche direkt vor der Laube. Auch die 3 Apfelbäume werden wieder ein ordentliches Blätterdach bilden. Zum „Ausgleich“ habe ich noch zwei neue Birnbäume gepflanzt. Außerdem soll der Platz der Tanne ersteinmal von hochwachsenden Stauden eingenommen werden um schnell etwas Sicht- und Windschutz zu haben.

Um auf das Ursprüngliche Thema zurückzukommen, mal einer Liste der Dinge, die wir „kaputt“ gemacht haben und eine Gegenüberstellung, was wir natürlich belassen.

Kaputt:

  • Tannen gefällt
  • Äste geschnitten, die über die beiden Hauptwege hingen (es war kein durchkommen mehr)
  • Hecke extrem zurückgeschnitten (sie hatte den einen Weg halb überwuchert)
  • Hecke an zwei Stellen ganz entfernt
  • einen Apfelbaum freigeschnitten und dabei fast armdicke Brombeeren knapp über dem Boden gekappt
  • Pflaumenjungel auf dem Nachbargrundstück auslichten (geplant)
  • grosse Wiese in einen Gemüsejungel verwandeln (geplant)

Natur:

  • pilzige und modrige Kopfweide wird erhalten (es bilden sich schon Hölen im Holz)
  • die gesamte grundstückbegrenzende Hecke richtung Norden bleibt unangetastet
  • Brennessel/Topinambur/Brombeer etc. Chaos hinter den Apfelbäumen bleibt
  • Tümpel angelegt
  • Obstbäume werden nicht beschnitten
  • Apfelbaum im NovemberÄpfel werden nicht aufgesammelt und abgeerntet sondern bieten verschiedenen Tieren immer noch Futter
  • Laub wird nicht gerecht sondern bleibt wo es hinfällt
  • Heckenschnitt bildet Totholzhaufen auf dem alten Kompost
  • kleine Wiese wird mit Wiesenblumen und Bienenfutterpflanzen angereichert (geplant)

Ich hoffe, dass wir damit in Summe noch auf der „guten“ Seite stehen. Wie sich alles daraus entwickelt, sehen wir leider erst nächstes Frühjahr.

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4 Kommentare

  1. Steckt das nicht eigentlich sogar schon in der Definition von Garten: „umgrenztes Landstück für Nutzpflanzen“ (BE19, was sonst?!)

  2. winter 08/09: daniel macht schnittkurs
    frühjahr 2010: daniel liest erstmals von permakultur und davon obstbäume nicht zu schneiden.
    meine bisherigen beobachtungen: bei meinen vorhandenen apfelbäumen komme ich ums schneiden nicht herum, möchte ich ernten. bei den kirschen, pflaumen und pfirsichen scheints dagegen egal zu sein. mit diesem kompromiss kann ich jedenfalls gut leben.

  3. Gerd:

    Die Obstbäume (Apfel) bei uns im Garten haben wir vom Vormieter übernommen. Die tragen jedes Jahr echt viele Früchte. Habe da Bedenken mit der Scheere reinzugehen, weil ich echt zufrieden bin. Allerdings werden die immer größer…

    Besten Gruß

  4. Ich stehe nach wie vor auf dem Standpunkt die Mischung macht’s – wenn es um immergrüne Gehölze im Garten geht. Denn die Vögel freuen sich über das schützende Dach im Winter. Und auch die Vögel, die zeitig im Frühjahr mit dem Nestbau beginnen, bevorzugen Efeuwände, Taxus und Wacholder zum Nestbau. Schon häufiger konnte ich beobachten, dass die Jungvögel im regenreichen Frühjahr sonst im Nest ertranken.
    Für unseren Wilduchsgarten sind Immergrüne unversichtbar für eine interessantere Winterstruktur. Und Ilex & Co bieten den Vögeln auch Nahrung.
    Das Obst haben wir auch nur für den sofortigen Gebrauch geerntet. Was fällt bleibt liegen. Aber das hat auch zur Konsequenz, dass sich in solchen Bereichen Zecken breit machen. Denn die wandern mit Mäusen, Igeln, Mardern und Vögeln ein und lassen sich an so strategisch interessanten Plätzen fallen. Im schlimmsten Fall legt ein Zeckenweibchen dort dann auch Eier, so dass die Nymphen dann reichlich Auswahl an Wirten haben, wenn eine Maus, ein Vogel oder ein Igel Fallobst nascht. Darum bin ich diesbezüglich im Zwiespalt, ob es vor allem in den Sommermonaten gut ist das Obst unter dem Baum liegen zu lassen. Ev. wäre es besser alles auf dem ‚Kompost‘ zu sammeln und den Bereich dann nützlichen Tieren und ungebetenen Gästen zur Verfügung zu stellen. wir versuchen das mit unserem ‚Komposthaufen‘ im Hochwald. Da wird das Totholz vom Baumschnitt als Umrandung verbaut und auf den ‚Kompost‘ kommt das Material, was nicht als Shreddermaterial auf die Beete soll. Das Ding sackt erstaunlich schnell zusammen und schon bald darauf kann ich da wieder einiges auffüllen. Nur auf die Beete kommt das Zeug nicht. Denn gesammelte Nacktschnecken werden dahin auch ausquatiert …

    Ganz ohne Obstbaumschnitt geht es wohl nicht. Aber ich mache das auch nur alle 2 bis 5 Jahre. Der Ertrag ist mäßig im Vergleich zu früher, als es noch ein ordentlicher Nutzgarten war. Aber für uns reicht es.

    Und das Laub ist ein perfekter Winterschutz für Pflanzen. Im Frühjahr ist das ein herrlicher Untergrund für junges Grün! Nur die Wege und unsere gepflasterte Sitzfläche mag ich lieber frei – auch wegen der Zecken, die sogar in den Plattenfugen warten …
    LG Silke

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