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Permakultur-Blog

Permakultur im Garten und auf dem Balkon

Hügelbeet – Theorie und Praxis

Grube für ein HügelbeetIn vielen Büchern über Permakultur und über ist das Hügelbeet ein Thema. Daher war ich auch neugierig und habe eins angelegt. Aber zuerst die Theorie.


Die Theorie

Für Sepp Holzer z.B. scheint es eine Wunderwaffe zu sein, mit der man auch in den widrigsten Umständen noch gute Erträge erizelen kann. Andere wie z.B. Marie-Luise Kreuter und Andrea Heistinger sehen das schon differenzierter.

Die Anlage des Hügelbeets wird immer ähnlich beschrieben: Man sticht die Grasnarbe ab und bewahrt sie auf, dann gräbt man noch etwas Erde ab und bewahrt auch die auf. In das entstandene Loch gibt man Biomasse, unten grob (Äste oder gar Bäume) oben fein (Blätter und Grasschnitt). Die Grassoden und die Erde werden zum Abdecken verwendet.

Als Vorteile werden genannt:

  • vergrößerte Oberfläche und damit Anbaufläche
  • Wärmeentwicklung durch die Rotte im Boden
  • stärkere Erwärmung des Hügels durch Sonnenstrahlen
  • gute Drainage
  • Lockerung des Bodens
  • sehr starke Düngung des Bodens durch Verrottung
  • bei höheren Hügelbeeten: Arbeiten ohne Bücken

Nachteile laut Fachliteratur:

  • schnelle Austrocknung im Sommer
  • Arbeitsintensiv
  • hoher Materialbedarf
  • Umkehrung der Bodenschichten und Gefahr von Fäulnis im Wurzelbereich
  • Überdüngung und Nitratbelastung
  • Mäuse lieben Hügelbeete als Unterschlupf


Die Praxis

Als Vorbemerkung sollte ich erklären, dass in unserem Garten aus Prinzip alles von Hand gemacht wird. Selbst wenn wir wollten, hätten wir weder Geräte noch Stromanschluß.

Da wir nach herbstlichen Aufräumarbeiten jede Menge Grünschnitt unterschiedlichster Art hatten, sahen wir den Teil als Problemlos an. Da auch noch ein Gartenbaustudent zu Besuch war, sollte auch die Arbeit kein Problem sein. Jede Menge Wiese, die zu Beeten umgewandelt werden soll war vorhanden. Also haben wir fröhlich losgelegt und die Grassode abgestochen. Das entstandene boomerangförmige Loch war ca. 4 Spatenstiche breit und 4-5 Meter lang.

Nachdem wir die Grube ca.  30cm tief ausgegraben hatten, stießen wir auf eine durchgängige Tonschicht (man hätte problemlos damit töpfern können). Durch die Arbeit in der Grube, bildete diese Schicht jetzt eine geschlossene Oberfläche. Also noch ein Durchgang auflockern (mit Spaten oder Grabgabel durchrütteln).

Die Grube sah eigentlich recht gut aus. Nun ging es los damit, den Grünschnitt einzufüllen. Wir hatten sehr unterschiedliches Zeug, das teilweise stark ineinander verflochten war. Z.B. kleine Bäume mit Brombeerranken.Das ganze war nicht unbedingt einfach zu verarbeiten und erst recht nicht sauber zu schichten. In einem Naturgarten hat man eben nicht Berge an Gras- und Monokulturheckenschnitt. Wir haben natürlich trotzdem nach bestem Bemühen versucht, das gröbste nach unten zu lagern. Ein Problem waren auch die unterschiedlichen Größen. Grade bei den Bäumen, bedeutet jedes Kleinschneiden sehr viel manuelle Arbeit. Wir haben also versucht so wenig wie möglich zu zerkleinern und wenn dann nur, wo es mit einer Astschere möglich war. Als Deckmaterial haben wir die Reste der Buchsbaumhecke genommen. Durch die vielen kleinen Blätter, sollte sie die Erde halten. Wie schon gesagt, hatten wir keinen Grasschnitt und keine aufgefegten Blätter (wer fegt schon Blätter im Naturgarten?).

Der entstandene Grünhaufen sah schon gar nicht mehr wie im Lehrbuch aus. Das Material war kaum zu bändigen und sauber aufzuschichten. Die Brombeerranken schauten störrisch in alle Richtungen. Obwohl wir genug Biomasse für zwei große Komposthaufen gehabt hätten, verschwand es komplett im Loch und bildete grade mal einen kleinen Hügel.

Beim Abdecken stellte sich dann raus, dass unsere Naturwiese kein englischer Rasen ist: Die Grassoden zerbröselten fast komplett. Außerdem lies sich die aufgeschichtete Erde nur schwer wieder aus dem Gras auf den Hügel befördern. Ein guter Teil der bröseligen Erde rieselte dann auch durch den Grünschnitt und bildete nicht oben drauf eine gleichmässige Erdschicht.

Das Ergebnis sah dann gar nicht mehr nach Lehrbuch aus. Eine chaotische, grade mal leicht angehobene Fläche  aus der teilweise noch Hecken oder Brombeerstücke herausschauen. Es ist also weniger ein Hügelbeet geworden, als viel mehr eine vergrabene Flächenkompostierung.

Die oberste Schicht werde ich im Frühjahr noch mit Pferdemist abdecken und dann erst mal robuste Starkzehrer pflanzen. Mal schauen, was dann daraus wird.

Fazit

Das grundlegendste Problem, ganz unabhängig vom Ergebnis, ist die Menge an Arbeit, die wir reinstecken mussten. Wir haben zu zweit einen ganzen Tag an diesem Projekt gearbeitet. In unserem schweren Boden war es ein echter Kraftakt. Und da ist das Beschaffen der Biomasse noch gar nicht mitgerechnet.

Eigentlich suche ich immer Möglichkeiten, mit möglichst wenig Energieaufwand zu gärtnern. Ein Hügelbeet ist wohl das Gegenteil davon. Dagegen ist Umgraben schon Entspannung.

Zum anderen braucht man wirklich Unmengen an Biomasse und die möglichst auch noch in der richtigen Größe und Konsistenz. In manchen Büchern wird auch ein kompletter fertig kompostierter Komposthaufen als Abdeckmaterial empfohlen. Nach meiner Erfahrung kann ich da nur zustimmen. Ich frage mich aber, welcher Naturgarten regelmäßig solche Mengen Biomasse abwirft? In der Permakultur geht es ja auch grade darum nicht größere Mengen Biomasse und Dünger von außen in den Garten zu bringen, sondern Stoffkreisläufe auszunutzen.

Wer die Sache mit Bagger, Kettensäge und Häcksler angeht, mag das anders sehen. Steckt aber auch mehr Energie (in Form von Öl) in das Hügelbeet, als jemals in Form von Nahrung wieder herauskommen werden.

Pro

  • man wird sehr große Mengen Biomasse los
  • Umgraben, Neuanlage eines Beetes und Kompostierung fallen zusammen
  • der Boden wird sehr gründlich gelockert

Contra

  • extrem viel Aufwand
  • extrem viel Biomasse wird benötigt
  • Bodenstruktur und -schichtung wird komplett durcheinandergebracht

Ich würde Hügelbeete nur empfehlen, wenn ein sehr sandiger Boden vorliegt, der leicht zu bearbeiten ist und sehr viel Nährstoffzufuhr benötigt. Wenn sowieso ein humoser Boden vorliegt ist Flächenkompostierung, Mulchen und normaler Kompost deutlich Praxisnäher.

Quellen:

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6 Kommentare

  1. […] Link zum Beitrag „Hügelbeet – Theorie und Praxis“ […]

  2. Nach diesem Bericht kann ich mich erstmal nur beglückwünschen, kein Hügelbeet angelegt zu haben, gerade, weil wir auch relativ schweren Boden haben. Allerdings habe ich etwas ähnliches, nur ohne Ausheben versucht und den Erdschwund mit Kartonagen minimiert. Dafür musste ich aber zusätzlich Erde verwenden. Falls es euch interessiert, könnt ihr das Ergebnis hier sehen: http://chaosgarten.blogspot.com/2011/05/anlage-meines-neuen-permakulturbeetes.html Ich werde dann spätestens in einigen Wochen weiter berichten, wie sich der Versuch entwickelt.

  3. Hey,

    ich habe meinen Garten im Frühjahr übernommen und da fielen Unmengen an Biomasse an. Auch zwei Komposthaufen waren fertig und lieferten die nötige Ware. Mein Hügelbeet ist um einiges kleiner, aber ich muss sagen, Porree und Sellerie, als aich Kürbisse, Kohl und Kohlrabi sind darauf wirklich hervorragend ohne zusätzliche Düngung gewachsen. Für mich hat sich der Aufwand gelohnt, allerdings wurde dieser auf 3 starke Männer und 2 starke Frauen aufgeteilt…

  4. […] meinem “Hügelbeet” habe ich schon vor einiger Zeit Saubohnen gesät. Es sei hier erwähnt, dass Saubohnen gar […]

  5. cris:

    man sollte hügelbeete auch dort machen wo sie sich anbieten . wenn ich eh schon humus habe auf dem gras wächst, ist es unsinnig ein solches anzulegen geht es doch auch um die bildung von fruchtbarem boden der auf flächen wo schon gras wächst viel einfacher sich bildet bzw schon da ist und verbessert werden kann , in dem man zb mulcht ohne ende. trichoderma uä pilze , helfen auch.

  6. Marlies:

    Danke für den humorvoll-interessanten Bericht!
    Mein Garten ist leider klein, aber im nahegelegenen Wald entdeckte ich eine freie Fläche, auf der ich nach Unkrautabsäbelung auch ein Hügelbeet anlegen bzw. das Zuviel an Stauden aus meinem Garten unterbringen will. Ich hab Bill Mollison gelesen: mit Karton und dicken Lagen Zeitungspapier den Boden abdecken, kreuzförmig einschlitzen und die Pflanzen einsetzen und Fukuoka (the one straw revolution), der dick mit Stroh abdeckt und darauf sät: Kleesamen, dann Getreide und Reis.
    Hat irgendjemand damit Erfahrung?

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