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Permakultur-Blog

Permakultur im Garten und auf dem Balkon

Hügelbeet im Blumentopf?

Hügelbeete und Hochbeete werden von vielen Gärtnern und Landwirten als wahre Wundermittel gesehen. Auch in der Permakultur sind sie, neben dem Mulchen, eins der Hauptwerkzeuge. Naturgemäß kann man auf dem Balkon oder der Fensterbank nur schwer ein ganzes Hügelbeet anlegen. Aber die Idee lies mich trotzdem nicht los.

Bei den Hügelbeeten geht es vor allem um zwei Eigenschaften:

  1. Kleinklimazonen
  2. Bodenbeschaffenheit.

Materialien für das Hügelbeet im BlumenkastenKleinklimazonen im Blumentopf sind beim besten Willen wohl zu micro, um einen Einfluss zu haben.  Aber die Bodenbeschaffenheit in meinen Blumentöpfen macht mir schon länger Sorgen. Bisher hatte ich normale „Blumenerde“ aus dem Baumarkt in meinen Kübeln. Beim Gießen lief das Wasser sofort durch den Topf und unten wieder raus. Alternativ bildete sich bei festem Boden ein Schlamm, der kaum noch trocknete. Außerdem möchte ich nicht künstlich düngen müssen. Daher ging mir die Idee nicht aus dem Kopf, das Schema des Hügelbeets in meinen Kräutertöpfen nachzubauen.

Jetzt war es dann so weit, die erste Kräuteraussat für dieses Jahr stand an und ich habe beschlossen, das Experiment zu wagen. Als Grundlage dienen einfacher Pappkarton, den ich aus der Papiermülltonne gefischt habe, Äste und Blätter in verschiedenen Zersetzungsstadien aus dem Wald, die Erde von letztem Jahr, eine Reihe Blumentöpfe, Glasfaserdochte und Samen.

Glasfaserdochte zur BewässerungDie Glasfaserdochte sind noch eine eigene Geschichte. Ich bin ein sehr unregelmäßiger Gießer und ich bin letztens über eine Webseite zur Kapillarbewässerung gestolpert. Also habe ich die kleine Investition gewagt und mir dort Dochte bestellt. Die Glasfaserdochte sollen besonders gut das Wasser hochsaugen und außerdem niemals verrotten. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie normale Lampendochte. Sie fühlen sich auch sehr weich an. Nur wenn man sich das Ende genau ansieht kann man erkennen, dass sie aus einzelnen sehr feinen und gleichmäßigen Glasfasern geflochten sind. Ich will sie nicht zur ausschließlichen Bewässerung einsetzen, sondern sie sollen mir helfen die Feuchtigkeit gleichmäßiger zu halten.

Meine wichtigsten Kräuterkästen sind ganz normale rechteckige Balkonkästen, die untendrunter eine geschlossene Wasserauffangschale haben. Diese Kästen haben sehr große Löcher im Boden, durch die das Wasser abfließen kann (um Staunässe bei Regen zu verhindern). Zusammen mit meiner schlechten Baumarkterde hat das dafür gesorgt, dass beim Gießen das Wasser einfach durchlief und sofort unten wieder raus kam. Die Erde hatte keine Chance, sich vollzusaugen. Daher habe ich als erstes ein Stück Pappe unten in die Kästen eingepasst. Der Gedanke ist, dass Pappe überflüssiges Wasser durchlässt, es aber so lange aufhält, dass die Erde sich vollsaugen kann.

Blumenkasten mit Pappe und Dochten

Durch die Pappe habe ich dann die Dochte gezogen. Natürlich müssen sie unten noch weit genug rausschauen und oben lang genug sein, um weit in die Erde zu reichen. Ich habe 3mm Dochte verwendet, da die 6mm schon sehr dick waren. Dafür habe ich die Dochte jeweils doppelt genommen, so dass sie mehr Wasser gleichmäßiger verteilen. Wenn das Wasser beim Gießen durchläuft und sich unten in der Wasserauffangschale sammelt, können die Dochte es langsam wieder hoch in die Erde saugen und so das Austrocknen verlangsamen.

Hochbeet im BlumentopfDann kam die eigentliche Hügelbeetidee ins Spiel und ich habe nach dem Prinzip von Sepp Holzer einfach ganze Äste als Grundlage in die Blumentöpfe gegeben. Ganze Äste verrotten langsamer und bewegen sich stärker, was den Boden auflockern soll. Gehäckseltes Holz würde sehr schnell recht kompakt werden. Als unterstes habe ich die dicksten Äste gelegt, dann die Lücken mit etwas dünneren aufgefüllt. Zuletzt das ganze mit einer dünnen Schicht Laub abgedeckt. Wichtig ist alles recht locker auf zu schichten, um genügend Luft zu lassen. Die Äste und das Laub habe ich direkt aus dem nahegelegenen Stadtwald geholt. Eine kleine Plastiktüte voll war mehr als ausreichend. Manche der Äste sind schon halb verrotte und morsch, andere sehr frisch. Es gab teilweise Pilzbewuchs und in den Blättern krabbelte jede Menge Waldboden-Leben.

Über der Laubschicht wird dann ganz normal mit Erde aufgefüllt. Ich habe dabei die Erde vom letzten Jahr mit frischer Erde vermischt und wiederverwendet. In der Erde waren noch überall feine Wurzeln. Die Dochte werden in der Mitte der Erdschicht eingebettet. Ich habe  die Kästen sehr voll gefüllt, weil ich damit rechne, dass die unterste Schicht noch zusammensinkt.

Reling und BasilikumDa die Pflanzen auf meiner Fensterbank im Halbschatten immer sehr stark richtung Licht wachsen, habe ich noch aus übrig gebliebenen Ästen eine Reling gebaut, die den Pflanzen Halt geben soll. Einfach Äste in den Boden und Bindfaden dazwischen spannen. Die Erde wurde nur um diese senkrechten Äste festgedrückt, die restliche Erde ist sehr locker aufgeschüttet.

Dieses „Hochbeetverfahren“ habe ich allerdings nur bei den großen Blumenkästen benutzt. Dann habe ich noch einige kleinere Töpfe fertig gemacht, die ich nur mit Dochten ausgestattet habe.

KräutersamenZum Schluss noch einen einzelnen übriggebliebenen Basilikum vom letzten Jahr eingepflanzt und neue Samen gepflanzt. Die Samen habe ich Online bei der Gärtnerei Pötschke gekauft. Die sind recht professionell und haben nicht nur die Standardsorten. Natürlich wollen sie einem ständig Schnickschnack wie z.B. speziellen Dünger andrehen, aber das kann ich ja selber entscheiden, so einen Scheiß nicht zu kaufen. Bei den Samen selbst habe ich beschlossen, dass mir BIO-Saatgut nicht so wichtig ist, wichtiger ist die Sorte und die biologische Aufzucht.

Natürlich halte ich euch auf dem Laufenden, wie das Experiment sich entwickelt und ob ich gute Ernte bekomme. Vor allem bin ich schon gespannt, wie die Holzschicht nach einem Jahr aussieht.


Weitere Informationen:

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3 Kommentare

  1. Martina:

    Hallo,
    die umsetzung von Hügelbeet im Blumenkasten klingt spannend. Aber wie ist der erste Praxistest verlaufen? Das Jahr ist ja nun rum – gabs guten Ertrag? Oder Probleme?
    Würde mich über eine Erweiterung des Beitrags freuen.

    Grüße
    Martina

  2. admin:

    Für meinen Geschmack sind die Pflanzen sehr gut gewachsen. Der Basilikum war ca. 50cm hoch und hat das ganze Jahr über guten Ertrag gebracht. Die Petersilie war kaum zu bremsen und auch der Dill wuchs recht ordentlich.

    Erst im Herbst habe ich Probleme mit gelben Blättern bekommen. Da habe ich das erste mal gedüngt (mit Urin) und so das Problem sehr schnell in den Griff bekommen.

    Gegossen habe ich ein bis zwei mal die Woche und dann ordentlich. Die Feuchtigkeit hielt sich recht gleichmässig.

    Im Moment überwintert noch der Basilikum, aber im Frühjar werde ich die Kästen neu bepflanzen und dann mal einen Querschnitt durch die Erde machen und schauen wie es unten drin aussieht.

  3. Martina:

    Danke für die Antwort.
    Habe mich nun entschlossen, dieses Jahr eine Versuchsreihe zu starten (Normale Erde, Hügelbeet, dieses Tongranulat (liegt noch was rum), Schaumstoffschicht als Wasserspeicher und Schaumstoffflocken (recycling sozusagen, sonst würde es nur weggeworfen)).
    Mal sehen, wie das wird.

    Grüße
    Martina

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