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Permakultur-Blog

Permakultur im Garten und auf dem Balkon

Bio ist billig

Bio für 99CentSo plakativ der Titel auch ist, so sehr spiegelt er doch meine eigenen Erfahrungen wieder:

Biologische Ernährung ist günstiger als konventionelle Supermarkt- Kost.

Wann immer wir von Bio-Essen erzählen oder für andere kochen, jedes Mal hören wir das gleiche:

 

„Das ist doch viel zu teuer.“
„Ich würde auch lieber Bio Sachen kaufen, aber ich kann mir das nicht leisten.“

Oder auch:

„Das ist mir den Aufpreis nicht wert.“
und
„Bio ist auch nicht gesünder.“

 

Keines dieser Argumente kann ich im Raum stehen lassen. Schon als Student mit mehr als magerem Auskommen, stand Bio-Essen bei uns auf dem Tisch. Wir freuen uns über die Qualität und essen ganz bewusst und hoffentlich auch gesünder.

Aber wie kann das sein? Im Folgenden gehe ich auf die einzelnen Argumente ein.

Bio ist teuer

Dieses Argument kommt meist von Fertigsuppen-Essern. Und ja, sie haben recht: Wer Bio-Produkte kaufen, seine Essegewohnheiten aber nicht umstellen will, für den wird es teuer.

Bio TütensuppeFertigprodukte sind schon im konventionellen Supermarkt viel zu teuer (auf den Nährwert bezogen). Das Bio-Logo kostet hier noch einmal einen satten Aufpreis.

Trotzdem haben sie eben auch nicht Recht. Wer im herkömmlichen Supermarkt beim Einkauf von grundlegenden Nahrungsmitteln auf die Qualität achtet, der merkt schnell: hochwertige Qualität bekommt man hier entweder gar nicht, oder man landet in der Feinkostabteilung. Und da zahlt man dann für gute Produkte mindestens das gleiche, als wäre mann direkt zum Biomarkt gefahren.

Saisonal gekaufte Bio-Tomaten schmecken nach Tomate und enthalten Vitamine. Supermarktomaten kennt man auch unter dem Namen „holländisches Wasser“. Richtiges Brot ist praktisch nicht mehr zu bekommen, da es keine Bäcker mehr gibt (nur noch Backketten). Was die Backketten verkaufen, ist die immer gleiche, nur unterschiedlich gefärbte, nährstofflose Presspappe, teilweise mit unterschiedlichen Körnern beklebt. Wer dagegen zum ersten Mal ein Demeter-Brot isst, wird sich nicht nur über den Geschmack wundern (es gibt einen Geschmack!), sondern auch darüber, schon nach einer Scheibe satt zu sein.

Diesen Effekt beobachten wir immer wieder: Bio macht Satt. Bei gleicher Menge haben die Produkte meist einen höheren Nährwert und damit ist der Preis pro Nährwert nur wenig höher als bei konventionellem Essen.

Genussmittel kosten mehr, sollten sie aber auch. Die verschiffte Schokolade aus Südamerika sollte etwas Besonderes sein, das man sich selten gönnt. Der Bio Preis ist der einzige faire und angemessene. Dafür schmeckt sie auch nach Schokolade, während selbst teure normale Schokolade nur aus Zucker und Fremdfetten besteht.

Ich kann mir kein Bio leisten

Diesen Satz habe ich schon von Studenten gehört, die kaum ihre Miete zahlen konnten, aber auch von gutverdienenden oberen Mittelständlern.

Anteil der Lebensmittel an den KonsumausgabenStatistik hilft mir, dieses Argument grundlegend zu entkräften: Noch in den 50er Jahren gab man im Durschnitt 50% seines Gehalts für Nahrung aus, jetzt sind es um 10%.  Außerdem ist dieser Protzentsatz in Deutschland mit der niedrigste in Europa. (Quelle: UNdata/Statistisches Bundesamt)

Der relative Wert der Lebensmittel ist also für uns gesunken. Wir geben nur unser Geld für unnötige Dinge aus: Autos, Fernsehen, Zigaretten, Alkohol, Kaffee, Plastikschrott, der nach 2 Wochen kaputt geht. Jeder, der seinen Lebensstil ändern will, hat mehr als genug Luft für Einsparungen, um wieder Wert auf seine Ernährung legen zu können.

Dazu kommt noch, dass man sich nach der nötigen Umstellung sogar günstiger mit Bio ernähren kann. Wer den Schnitt macht, weg von Fertigprodukten, hin zu ausgewogenem Essen aus Grundnahrungsmitteln und frischen, saisonalen Zutaten, wird feststellen: Die Gesamtkosten für Lebensmittel sinken dabei sogar. Ein großer Sack getrockneter Bohnen ist nicht teuer und kann eine ganze Holzfällerfamilie mit dem nötigen Eiweiß und den nötigen Kohlenhydraten versorgen. Ähnliches gilt für Kartoffeln, Nudeln, Linsen, Erbsen, Mehl bzw. Getreide…

Dazu dann die frischen Zutaten, die gerade günstig zu haben sind. Im Sommer leckere Tomaten, im Frühling Spinat und Salate, im Herbst und Winter Rosenkohl und Grünkohl.

Ich muss es mal ganz klar sagen: Wer mitten im Winter Erdbeeren isst, ist ein Idiot.

Vergleicht man das mit Fertigessen (Zutatenlisten lesen), bemerkt man schnell, dass z.B. „Fix“ Produkte nur überteuertes Salz mit einem Kochrezept hinten drauf sind. Oft bekommt man nur Fett und leere Kohlenhydrate. Dafür darf man aber auch noch vergleichsweise kräftig zahlen. Gemüse und Obst aus dem Supermarkt bestehen vor allem aus Wasser und halten sich meist nicht so lange. Zehn Prozent aller Lebensmittel werden weggeworfen, bevor sie überhaupt zubereitet wurden. Ich werfe meine Bio-Lebensmittel nicht weg, weil ich ihren Wert gelernt habe und gelernt habe nach Bedarf zu kaufen und zu kochen.

Bio ist auch nicht gesünder

Auch hier gilt: Wer sich von Bio-Pizzen ernährt, kann auch gleich konventionell essen. Bio ist mit Sicherheit auch nicht per se gesünder. Aber es gibt viele Faktoren, die Indizien für weniger Probleme bei Bio geben.

Supermarkt GemüseKeine Gifte in der Produktion.
Mein Bio-Gemüse wird nicht schon auf dem Feld regelmäßig mit Gift besprüht. Schon mal eine Schadstoffquelle weniger.

Es gibt mehr Kontrollen bei Bio Produkten.
Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein schwarzes Schaf durchrutscht, geringer.

Bessere Nachvollziehbarkeit.
Bei Andechser Joghurts kann ich nachvollziehen, von welchem Bauernhof genau mein Joghurt (bzw. die Milch dafür) kommt. Sollte etwas nicht in Ordnung sein, kann ich dem Bauern persönlich die Meinung sagen.

Regionale Produkte.
Andere Länder, andere Sitten, wie man so schön sagt. Wenn meine Nahrung aus der Region kommt weiß ich, dass die Hersteller an Deutsche Lebensmittelgesetze gebunden sind. Wenn die Gurken aus Ägypten kommen, wer garantiert mir dann, dass nicht Pestizide eingesetzt werden, die in Deutschland schon seit Jahrzehnten verboten sind?

Mit all diesen Punkten verbessert sich die Chance etwas Vernünftiges und Gesundes auf den Tisch zu bekommen.

7 Punkte die Bio billig machen

Ich bleibe dabei und lebe auch den Beweis: Bio kann sich jeder leisten. Hier die 7 Punkte auf die man dabei achten sollte:

  • Grundnahrungsmittel sind immer günstiger als zubereitetes Essen und Konserven
  • Finger weg von jeder Art von Fertigessen und Fastfood
  • regional, saisonal und nach Bedarf kaufen
  • Nicht nach vorgegebenen Rezepten kochen. Nur weil im Rezept Süßkartoffeln oder Drachenfrucht vorgegeben sind, heißt das noch lange nicht, dass es die günstig im Bio-Laden gibt. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Sinnvoll einkaufen und dann daraus interessante Rezepte kreieren.
  • Genussmittel sind Luxus und keine Grundnahrungsmittel. Schokolade und Chips gehören nur zu besonderen Anlässen auf den Einkaufszettel.
  • Nicht nur Preise vergleichen, sondern auch Qualität
  • Abwägen nicht zwischen Lebensmitteln und Plastikessen aus dem Supermarkt, sondern zwischen Bio-Essen und sinnlosen Luxusartikeln wie Flachbildfernsehern.

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5 Kommentare

  1. noch ein Buchtipp zum (wichtigen) Thema:
    „Arm aber Bio“ Ein Selbstversuch einer Journalistin sich vom Hartz 4 Regelsatz ausschließlich Bio zu ernähren. Inkl geldbeutelsparender Rezepte.

    http://www.amazon.de/Arm-aber-Bio-%C3%B6kologisch-Selbstversuch/dp/3981346904/

  2. Rita Sauer:

    Was ich leider auch immer wieder höre, -ist, dass sehr viele Zweifel gegenüber dem Bio-Siegel bestehen…Viele kaufen keine Bioware, weil sie glauben, mit dem Biosiegel wird geschummelt. Diese Zweifler bleiben dann doch lieber bei den normalen, für sie billigereren Produkten.

  3. admin:

    Damit schüttet man aber dann ja das Kind mit dem Bade aus: Weil man den Bio-Siegeln nicht vertraut, kauft man Lebensmittel, bei denen man sicher weiß, dass Gift drin ist und die Tiere unwürdig leben? Das macht für mich keinen echten Sinn.

    Ich vertraue auch nicht auf die „normalen“ Bio-Siegel im Supermarkt um die Ecke, aber ich vertraue echten Siegeln wie
    *Demeter
    *Bioland
    *regionalen Bio-Erzeugern (bei uns gibt es Wurst von „Cuxland-Pur“ die schon allein durch die Qualität überzeugt)

    Informationsquellen gibt es ja wahrlich genug.

  4. Ich glaube ja auch, dass man mit konventionellen Produkten am falschen Ende spart. Ganz abgesehen davon dass uns allen jetzt schon die Rechnung in Form von Klimawandel und Krisen präsentiert wird, geht es dem eigenen Körper doch auf Dauer besser, wenn er ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird anstatt damit beschäftigt zu sein Schadstoffe abzubauen.

  5. Michaela:

    Ich vertraue meinem Laden vom Biobauern „um die Ecke“. Das weiß man wenigstens, wo die zB die Eier herkommen und kann sich sicher sein, dass sie nicht dioxionverseucht sind.

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