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Permakultur-Blog

Permakultur im Garten und auf dem Balkon

Samenbomben – das Trendthema

Schon vor geraumer Zeit flatterte mir ein Rezensionexemplar des Buchs „Mit Samenbomben die Welt verändern“ von Josie Jeffery ins Haus. Ich bin aber kein grosser Freund von Trendthemen, die mit übersetzten Büchern ausgewälzt werden. Trotzdem will ich mal meinen Senf zum Thema dazugeben.

Erstmal ist meine Grundhaltung zum Thema sehr kritisch. Ich habe selbst in Mannheim „Guerilla Gardening“ betrieben, und dabei recht schnell gelernt, wie Praxisfern es in der Realität ist. Es gibt kaum geeignete Flächen, die nicht regelmäßig „gepflegt“ (sprich gemäht) werden. Somit ist alles angepflanzte sehr schnell wieder platt. Baumscheiben werden plattgetrampelt, mit Fahrrädern beparkt etc. Alles was schön blüht wird direkt gepflückt. Unsere Rose im Hinterhof wurde erst abgepflückt und dann von einem „Experten“ zurückgeschnitten. Die schönen Fotos zum Thema, die man auf diversen Webseiten und in Büchern finden kann, sind praktisch alle gestellt: Es wird eine fertige schöne Pflanze irgendwo eingebuddelt, fotografiert und 5 Minuten später ist sie schon zertrampelt.

Wenn man schon mit Pflanzen solche Probleme hat, wie sollen dann Samen klar kommen?

Dazu kommt noch, dass die Natur, wenn sie ungestört ist, eigentlich sehr gut darin ist Brachflächen zu besiedeln. Alte Industrieanlagen wachsen recht schnell wieder zu. Wieso sollte ich mit meinen Samenbomben wissen, was besser für die Fläche ist? Ich werde höchstens ortsfremde Neophyten einschleppen.

Mit diesen Gedanken das Buch lesend muss ich sagen: Einen grossen Teil dieser Bedenken bearbeitet die Autorin recht gut. Auf ökologische und auch rechtliche Bedenken weist sie immer wieder deutlich hin. Leider hat sie trotzdem im Pflanzenführer auch Monarden aufgeführt. Diese nordamerikanische Pflanze findet sich zwar in vielen Ziergärten, hat aber bei uns in der freien Wildbahn nicht viel verloren.

Ansonsten ist das Buch nett geschrieben, sachlich und ohne Bullshit (wie manche andere Bücher zum Thema Guerilla Gardening). Ob man dem Prinzip Hoffnung nachhängen möchte, bleibt ja jedem selbst überlassen.

SamenbombeWas aber auffällt ist, dass dieses Buch extrem schön und aufwendig gestaltet ist. An dieser Stelle wirklich ein grosses Lob an die Setzerei. Der Pflanzenführer ist das schönste und informativste, was mir zum dem Thema seit langem unter gekommen ist.

Was ist aber nun mein Fazit? Wen das Thema brennend interessiert, der wird bei diesem Buch gut aufgehoben sein. Ideal ist es als Geschenk für den Hipster aus der Großstadt, der ohne viel Aufwand seine grüne Ader entdecken will.

PS: Noch mal zur Praxistauglichkeit des Themas: So sieht die beigelegte Samenbombe nach mehreren Wochen liebevoller Pflege auf professioneller Pflanzenerde aus. Wie sie wohl auf einer Schotterfläche aussehen würde?

Weitere Informationen:

Der Ulmer Verlag hat ganze Arbeit geleistet und viele Blogs mit Rezensionexemplaren versorgt:

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3 Kommentare

  1. Ich bin auch nie so ganz dahinter gekommen, wer da jetzt wie die Welt verändert? Oder liegt es nur am Etikett? „Guerilla“ klingt ja wesentlich cooler (und ist auch unverbindlicher) als „offiziell“ von der Stadt eine kleine Fläche zu übernehmen und zu pflegen.
    Hier stand mal in der Zeitung, daß der Stadtgärtner des nächstgelegenen Fachwerkstädtchens immer Akeleisamen in der Tasche hat und die in die Fugen zwischen Kopfsteinpflaster und Mauern streut. Ist zwar nicht Guerilla, aber funktioniert und sieht hübsch aus.

  2. Sandra:

    Ein Hallo an den/die Autor(in), ich bin neu in Mannheim und vermisse meinen Garten. Gibt es hier Gleichgesinnte, vielleicht sogar offene Gärten/Gruppen, an denen ich mich beteiligen kann? Viele Grüße, Sandra

  3. Kohl, Brigitte:

    Biggi

    ich gruesse alle, die sich an freie Flächen
    zum gärtnern niederknien!

    Musste aber gestern feststellen, dass alles was ich liebevoll gesät habe, einige Wildblumen waren schon gute 40cm hoch, mit einem Ratsch von einer wilden Truppe, die sich Gärtner nennen, verschwanden, obwohl ich darauf hinwies diese Rabatte bitte nicht zu mähen. Das hat sie aber nicht interessiert, möglich auch, dass sie mich nicht verstanden haben. Biggi aus Karlsruhe

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