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Permakultur-Blog

Permakultur im Garten und auf dem Balkon

Asoziale Gärten (10): Der Park, der keiner sein will

Traugott Wahlen Park ZürichMitten im wunderschönen Zürich haben die Städteplaner sich offensichtlich verplant. Der Wahlenpark soll ein moderner Park für die Bürger sein. Was er in der Praxis ist, ist nur eine triste rechteckige Rasenfläche.

Offenbar haben sich die Architekten hier schwer verschwurbelt und sich das Konzept selbst schöngeredet. „Mit seinem linearen Gestaltungsprinzip schuf das Projekt klare stadträumliche Verhältnisse.“ – so kann man auf Wikipedia lesen. Die klaren Verhältnisse hat er wirklich geschaffen, genau wie ein Gefängnis auch klare Verhältnisse schafft. Der 160 Meter lange und 3 Meter breite „Sitzbalken“ ist eine Barriere und keine Einladung. Er ist nirgendwo durchbrochen und schreit einfach nur laut: „Du kommst hier nicht rein! Wer den Rasen betreten will, muss mich zuerst überwinden!“ Man stelle sich die siebzigjährige Oma Erna mit ihrem Dackel Waldi vor, die sich behänd über dieses blaue Ungetüm schwingt. Auf meinen Bildern erkennt man nicht, dass er ein fast kniehohes Hindernis ist. Auf den Bildern bei Wikipedia dagegen schon. Für Oma und Dackel bleibt nur ein Umweg von 160 Metern bis zu anderen Seite. Alle anderen dürfen sich auf die bequemen kalten Steine in merkwürdiger Höhe und ohne Lehnen setzen, um die wunderbare Natur zu beobachten.

Wahlenpark ZürichNatur ist ein gutes Stichwort. Natur, welche Natur? Ein bisschen Rasen und ein gewollter Streifen Bäume zwischen Asphalt. Schon Blumen sucht man vergebens. Von Artenvielfalt keine Spur. Eingezwängt zwischen Häuserblöcken findet mit Sicherheit kein Tier den Weg auf dieses innerstädtische Großgrün. Es gibt genau drei Gattungen von Pflanzen: Gras, Buchen und Linden. Was auch dafür sorgt, dass Ende Dezember nur noch Tristesse deluxe herrscht. Kein Winterschmuck in Sicht. Hier ist kein Lebensraum, keine Ökologie. Es gibt keine Rückzugsräume für Tiere, aber auch nicht für Menschen. Nicht mal ein Busch. Man stelle sich vor wie hier Kinder verstecken spielen…

Es mangelt einfach komplett an Abwechslung und an Gemütlichkeit. Wenn man sich die Luftaufnahmen anschaut, wird klar: Dieser Park ist ein riesiges, monotones Ungetüm. Platz wäre da gewesen. Aller Platz in der Welt um verschiedene Bereiche einzurichten. Stattdessen ist es ein Fußballstadion ohne Stadion geworden. Eine Wüste ohne Sand.

Natürlich haben die Architekten dieses Monstrum aufgelockert. Ein Wasserfeature musste her. Und so wurde an einen Rand ein Planschbecken gesetzt. Genau so Monströs wie der Rest der Anlage. Und genau so einladend zum Verweilen.

Umso mehr ich über diese Fläche nachdenke, umso mehr fühle ich mich an den Innenhof eines Gefängnisses erinnert. Ein trister Platz auf dem die Insassen mit leerem Blick die immer gleichen Runden ziehen. Nichts zu sehen, nicht zu tun. Nur die obligatorische „frische Luft“.

Die Bäume sollen „Assoziationen zu einem englischen Landschaftspark wecken“, so heißt es. Kenner englischer Parks dürften sich bei dem Vergleich vor Verzweiflung in ihren eigenen Spaten stürzen.

„Die Idee des englischen Gartens bestand darin, die bis dato vorhandene mathematische Strenge der exakt angelegten Beete und beschnittenen Hecken zu eliminieren und sich bei der Gartengestaltung mehr nach dem zu richten, was die Natur idealerweise an Ausblicken zu bieten hat. In ihm sollte sich das Prinzip einer natürlichen Landschaft widerspiegeln, die durch unterschiedliche und abwechslungsreiche Eindrücke im Sinne des Ideals eines „begehbaren Landschaftsgemäldes“ dem Auge des Betrachters Vergnügen bereiten sollte.“

Weder Natur, noch Ausblick noch Abwechslung sind im Traugott Wahlenpark zu finden. Dafür herrschen exakt angelegte Flächen und geometrische Formen vor. Genau das Gegenteil eines englischen Parks, möchte man meinen.

Ursprünglich war es sicher eine gute Idee, die Parkfläche gleichzeitig als Schulspielwiese vorzusehen. So wie es jetzt umgesetzt ist, muss man aber Mitleid mit den Schülern haben. Was gibt es denn hier zu spielen? War hier günstig und pflegeleicht vielleicht die Prämisse? Wollte der Gärtner keine Pflanzen den trampelnden Füssen von hunderten Schülern aussetzen? Welch vertane Chance. Auf der riesigen Fläche wäre doch sicherlich Platz für einen Schulgarten gewesen?

Alles in allem muss ich sagen: Ende November war es für mich der deprimierendste Platz in ganz Zürich.

Weitere Informationen zum Park findest du bei der Stadt Zürich und bei Wikipedia.

Wenn du dich über den Begriff „asozial“ wunderst, lies dir meine Definition eines asozialen Gartens durch. Wenn es noch nicht deprimierend genug war, kannst du dir auch alle asozialen Gärten anschauen.

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